Doi Chaang Coffee – Der Stolz Thailands

Hintergrund

Bis Mitte der 1960er Jahren bauten die Bauern des Dorfs Doi Chaang im so genannten Goldenen Dreieck im Nordwesten Thailands Opium an. Dafür zerstörten sie mittels Brandrodung natürliche Wälder und mit ihnen wertvolle Ökosysteme.

Auf Initiative des Königs, der dem Drogenanbau ein Ende setzen wollte, wendeten sich die Bauern nachhaltigeren Produkten zu und begannen Tomaten, Kohl und andere Gemüse zu kultivieren. Dennoch verarmten sie zusehends, und die Entwaldung schritt weiter voran.

Eine weitere Initiative des Königs brachte Mitte der 1980er hochwertige Kaffeesorten zu den Bergvölkern Nordwest-Thailands. Als weitgehend rechtlose Minderheiten blieben sie in der Folge der Willkür skrupelloser Kaffeehändler ausgesetzt, so dass sich mit Kaffee keine wirkliche Existenzgrundlage entwickeln ließ.

Erst mit der Gründung ihrer eigenen Kooperative und unterstützt durch engagierte Landsleute begann Anfang des neues Jahrtausends die Erfolgsgeschichte von Doi Chaang Coffee, die seit 2006 eine internationale Fortsetzung erfährt: Zunächst konnte der Doi Chaang Coffee Experten und Liebhaber in Nord-Amerika begeistern, jetzt betritt er die Bühne der Kaffeespezialitäten auf dem Alten Kontinent.

Für als 800 Familien der unterprivilegierten Bergstämme der Akha und Lisaw bietet der Kaffeeanbau damit seit etwa sechs Jahren nicht nur eine neue Einkommensalternative, sondern trägt wesentlich zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts der einst für den Opiumanbau stark entwaldeten Region bei.

Neben der überragenden Qualität seiner Kaffees weiß die Produzentengemeinschaft durch Selbstbewusstsein, Dynamik und ehrgeizige Ambitionen im Aufbau nachhaltiger Strukturen zu überzeugen. Eine selbst initiierte und finanzierte Kaffeeakademie und eine ständig wachsende Produktpalette sind Ausdruck ungewöhnlichen Pioniergeistes und beispielhafter Innovationsbereitschaft.

Kaffeequalität

Rohkaffee: Der Rohkaffee beeindruckt durch ein äußerst harmonisches Erscheinungsbild. Die Bohnen sind mittelgroß, sehr gleichförmig und sehr gut (nass) verarbeitet. Die Farbe der vorliegenden 2007/08-Muster entspricht einer hellen Jade. Der Geruch ist einwandfrei und gibt keinerlei hinweise auf Defekte.
Dieser Eindruck wird bei der anschließenden Analyse bestätigt. Defekte sind in beiden vorliegenden Mustern (Bohnen und Peaberries) quasi Fehlanzeige: Es ließen sich jeweils nur 3 resp. 1 gebrochene Bohnen finden! Wenn die Sackware genau so ist, dann … würden wir uns nicht darüber wundern!

Röstkaffee: Der „Coffee Review“, die Bewertungs-Institution für Röstkaffee in Nordamerika, vergab dem „Single Origin Medium Roast“ mit 90 Punkten und dem „Single Estate Peaberry Medium“ mit 93 Punkten jeweils ein „Outstanding“. In der Beschreibung des „Single Origin Medium Roast“, also recht genau der Röstung, die wir auch anbieten, heißt es: „… ein eindrucksvoll ausgewogener Kaffee. Blumen- und Orangennoten im Aroma … Sauber, mit einem süßen Abgang.“ (Quelle), und zum „Single Estate Peaberry Medium“ schreiben die Tester: „ … ein erfrischender Kaffee … delikat im Mundgefühl … ausgesprochen süß in seiner Struktur … und Noten von Honig und Blumen …“ (Quelle) . Dem Urteil können wir uns mit Überzeugung anschließen, auch wenn wir selbst dem „Single Origin Medium Roast“ 1 oder 2 Punkte mehr vergeben hätten.

Potenzial/Eignung:

Die Doi Chaang-Bohnen, das bestätigten unsere Teströstungen, sind unkomplizierte, echte Allrounder, die sich sowohl für helle als auch für dunklere Röstungen, insbesondere aber auch für eine Espresso-Röstung eignen. Mit diesen Bohnen lässt sich herrlich experimentieren.

Nachhaltigkeit

Ökonomie: In Doi Chaang hat man aus der Vergangenheit zwei Dinge gelernt: Zum einen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, zum anderen, nicht nur auf ein Pferd zu setzen. Das Gemeinschaftsunternehmen verfolgt die Strategie der horizontalen, lateralen und vertikalen Diversifikation: Mehr als 6 unterschiedliche Blends und Röstungen werden angeboten. In Zukunft werden auch Beiprodukte, wie Kaffeeölextrakte für Kosmetika oder Rohkaffeepulver als Nahrungsergänzungsmittel weitere Einkommensmöglichkeiten eröffnen. Aber Kaffee ist nur ein Element eines Agroforstsystems, das auch Macadamia, Birne, Pfirsiche und bald auch Tee umfasst – die Basis für eine breite Produktpalette.

All diese Entwicklungen wären nicht möglich durch ein Maß an Eigeninitiative, Unternehmergeist und (Re-)Investitionsbereitschaft in ökonomische und soziale Infrastruktur, wie Baumschulen, Lagerhäuser oder eine Kaffeeaufbereitungsanlage.

Landschaft bei  Doi Chaang mountainous backdrop - photographer - Cheryl Flores

Kaffee aus Doi Chaang – was wörtlich übersetzt soviel heißt wie Elefantenberg – verfügt innerhalb Thailands über ein inzwischen dichtes Netzwerk von mehr als 300 Partner-Shops. Aber erst seit zwei Jahren wird Doi Chaang Coffee außerhalb Thailands vermarktet. In einer einmaligen, ‚echten’ Fair-Handels-Beziehung sind die Kooperativen zu 50 % an ihrem kanadischen Tochterunternehmen, dem auch ein eigener Röstmeister angehört, und somit an der gesamten Wertschöpfungskette beteiligt. Ähnliche Modelle sind in Europa geplant. Die Registrierung von Doi Chaang als geschützte Ursprungsangabe soll auf nationaler wie internationale Ebene die Markenbildung und das Image stärken und vor Plagiarismus schützen. Deshalb wird mit den Handelspartnern vertraglich die Verwendung in Blends praktisch ausgeschlossen.

Schon heute müssen sich die Bauern von Doi Chaang die Preise weder von Zwischenhändlern, noch vom Weltmarkt diktieren lassen – sie selbst bestimmen den Preis, der zur Zeit bei mindestens 3,50 US $/Kilo liegt. Bei 300 Tonnen Jahresproduktion lässt sich damit derzeit ein Bruttoumsatz von etwa 1.250 Dollar pro Familie generieren, von denen freilich ein Teil wieder in neue Projekte investiert wird.

Ökologie: Mit der Wiederaufforstung des Elefantenberg mit mehr als 100.000 gepflanzten Bäumen jährlich übernehmen die Bauern Doi Chaang nicht nur die Verantwortung für ihre eigenen historischen Umweltsünden, sondern auch für die anderer Ethnien, die vor ihnen die Region besiedelt haben und inzwischen abgewandert sind. Die mit Schatten spendenen Pfirsich, Birn- und Macadamiebäumen angereicherten Kaffeekulturen tragen wesentlich zur Regeneration der Landschaft und Biodiversität bei. Inzwischen ist auch wieder die asiatische Zibetkatze heimisch, der Hinterlassenschaften reich an fermentierten Kaffeebohnen sind, mit denen auf Sumatra der berühmte Kopi Luwak, der teuerste Kaffee der Welt hergestellt wird.

Es versteht sich fast von selbst, dass Doi Chaang rein biologisch angebaut wird. Die verwendeten Dünger besteht zu 95 % aus kompostierter Pulpe der Kaffeekirschen, die bei der Verarbeitung anfällt. Die Kooperative mit ihren 12 Produzentengruppen ist inzwischen biozertifiziert nach USDA-Standard.

Soziales: Nicht nur die gemeinsame Geschichte, sondern auch der gemeinsam Erfolg schweißen zusammen. Die Haushalte der Akha und Lisaw umfassen nicht selten generationenübergreifend bis zu 20 Personen. Eine verbesserte Einkommenssituation durch den Kaffeeanbau unterbindet auch die Abwanderung der jüngeren Bevölkerungsgruppen. Eine gesunde Bevölkerungsstruktur benötigt soziale Infrastruktur, die bislang fehlte. Den Anfang machte die selbst finanzierte Kaffee-Akademie. Schulen und eine Gesundheitsstation stehen als Zukunftsprojekte oben auf der Agenda.

Erfolg macht auch selbstbewusst, stärkt die Identifikation mit der eigenen Kultur und trägt damit zu deren Erhalt bei. Die Akha und Lisu zeigen eindrucksvoll, wie sich Tradition und Moderne harmonisch verbinden lassen.

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