Sidamo Grad 1 – Operation Cherry Red

Hintergrund

Äthiopien hat unter allen Kaffee produzierenden Ländern das mit Sicherheit größte Potenzial, eine Vielzahl an hochwertigen Spezialitätenkaffees zu erzeugen – kein Wunder bei der Vielzahl der Varietäten, die im Ursprungsland des Arabica wachsen. Inwieweit die großen Veränderungen, die seit Ende 2008 durch Einführung der elektronischen Börse im äthiopischen Kaffeesektor stattfinden, die Ausschöpfung dieses Potentials fördern oder eher behindern, wird die Zukunft zeigen.

Von allen äthiopischen Spezialitätenkaffees ist der Sidamo mit Abstand der bekannteste. Dies erklärt sich dadurch, dass die ersten gewaschenen äthiopischen Kaffees Sidamos waren und von Anfang an stark beworben wurden – ein Verdienst von Graf Friedrich von der Recke von Vollmarstein, der das Waschen des Kaffees in den 60er Jahren des letzen Jahrhunderts einführte und sich während seines 30jährigen Aufenthalts in Äthiopien den Titel “Aba bunna” (“Vater des Kaffees”) erwarb.

Kaffeeernte Sidamo - klicken für großes BildDie gewaschenen Sidamos werden in der Standardqualität „Grad 2“ gehandelt. Ein „Grad 1“, die höchste Qualitätsstufe, wird nur auf Anfrage als so genannte „special preparation“ angefertigt. Um neben der geringsten Zahl an Defekten gleichzeitig auch das höchst mögliche Geschmackspotenzial zu entwickeln, ist neben der perfekten Verarbeitung eines ganz entscheidend: Das ausschließliche Ernten von roten, reifen Kaffeekirschen! Das klingt einfacher als es ist, denn es ist erheblich aufwändiger, während der gesamten Erntezeit immer und immer wieder an die Bäume zu gehen und von Hand die neuen roten Kirschen zu pflücken als alle an einem Ast befindlichen reifen, halbreifen und noch grünen Kirschen mit einem Mal durch das üblicher Weise praktizierte „Strippen“ mit einem Mal herunter zu ziehen.

In einem ersten Schritt hat Trabocca all seine äthiopischen Partner (Kooperativen, Bauern-Gruppen und kleine private Wald-Plantagen) in den verschiedensten Anbaugebieten gebeten, jeweils 50 Säcke „Grad 1“-Qualität aus ausschließlich roten Kirschen zu erzeugen. Die Ergebnisse waren (bis auf wenige Ausnahmen, was im Anfangsstadium aber nachvollziehbar ist) durchschlagend – wie im Falle unseres „Sidamo Grad 1“ aus dem Distrikt Kebado. Um die Frische des Kaffees zu bewahren, und zwar länger als dies üblicher Weise möglich ist, ist der Sidamo Grad 1 nicht in 60 kg-Säcke abgefüllt, sondern 12,5 kg-weise in Spezialfolie vakuumverpackt.

Kaffeequalität

Kaffeeauslese Sidamo Grade 1 - Link zum großen BildRohkaffee: Ein Top-Kaffee: Mittelgroße Bohnen, einheitliche Bohnengröße, gleichmäßige, intensiv grüne Farbe. Perfekt sauberer Geruch. Defekte: Fehlanzeige! Das aber vielleicht größte Plus dieses Kaffees ist die weit über das Bekannte hinausgehende Erhaltung der Frische durch die Vakuumverpackung!

Röstkaffee: Sagen wir es so – wer die äthiopischen Kaffees mit ihrer brillierenden, filigranen Säure, ihrer charakteristischen Würze, ihrem nicht zu kräftigen Körper und, wie gerade bei den Sidamos und Yirgacheffes, ihren blumig-süßen Aromen mag, der wird von diesem Kaffee überwältigt sein! Ein perfekter Kaffee, der seinesgleichen sucht!

Potenzial/Eignung:

Maßgeblich wird sein, das erreichte Qualitätsniveau zu halten und die Menge sukzessive auszuweiten. Um dies zu sichern, zahlen wir, einen Aufschlag von 3,- €/kg Rohkaffee. Wir sind vollkommen überzeugt, dass sich die Investition nachhaltig für die Bauern auszahlen wird!

Nachhaltigkeit

Ökonomie: Ziel des Projekts „Operation Cherry Red“ (OCR) ist es, hochwertige gewaschene und sonnengetrocknete Spezialitätenkaffees zu erzeugen, für die die Produzenten einen Premium-Aufpreis erhalten. Diese Aufschläge werden direkt an die Produzenten gezahlt. Die gesamte Kommunikation, Qualitätskontrolle und Abwicklung erfolgt über das Trabocca-Büro in Addis Abeba unter Leitung von Ato Abraham, ehemals Leiter des staatlichen Verkostungszentrums in Addis Abeba. Übrigens hatte Dr. Hans-Jürgen Langenbahn, Gründer von Maskal, bei jenem Ato Abraham Verkostungstrainings absolviert; so schließen sich immer wieder die Kreise.

Damit die Qualität des Kaffees aufrecht erhalten und die Menge an „OCR“-Kaffee weiter ausgebaut werden kann, bezahlen die Aufkäufer des Rohkaffees zusätzlich zum schon sehr hohen Grundpreis, einen weiteren Aufschlag von 3,- €/kg! Das Geld wird primär in die Verbesserung und Erweiterung der Verarbeitungstechnologien investiert, sprich in umweltfreundliche Waschanlagen, in Trockenbetten oder moderne Schälmaschinen sowie in Finanzierung von Landwirtschaftsberatern oder in die Durchführung von Verkostungstrainigs.

Nur durch eine für den Markt attraktive Menge an hochwertigem Kaffee können sich die Kaffee-Bauern Äthiopiens eine vernünftige wirtschaftliche Basis schaffen, selbst wenn sie im internationalen Vergleich mit den Produzenten anderer Länder gar nicht mal so schlecht dastehen. Entscheidend, und deshalb erklärtes Ziel des „OCR“-Projekts ist es, durch die Vermittlung und Bereitstellung von Know How und Technik Qualität und Quantität nachhaltig zu sichern.

Menno Simons, der Verantwortliche bei „Trabocca“ greift bei der Erklärung, was das „OCR“-Projekt bewirken soll, gerne auf die Bibel zurück: “Gib einem Mann einen Fisch in die Hand, und er wird satt werden. Lehre ihn zu fischen …“, den Rest kennen wir. Ein in diesem Fall sicher angebrachter Vergleich.

Ökologie: Der „Sidamo Grad 1“ ist ein reiner Gartenkaffee. Die Gärten liegen stets direkt bei den Gehöften der Bauern. Der Anbau erfolgt in Mischkultur, d.h. der Kaffee wächst zwischen all dem, was eine Familie zum täglichen Leben pflanzt, von diversen Gemüsen bis hin zur so genannten „falschen Banane“ (Ensete). In vielen Gärten stehen auch Schatten spendende Bäume, was sich sehr günstig auf den Kaffeeanbau auswirkt.

verarbeitung Sidamo-Kaffee - Link für großes Bild

Auch wenn die Bauern nicht bio-zertifiziert sind, so erfolgt der Anbau dennoch rein ökologisch, im Allgemeinen auf der Basis organischer Düngung. Chemische Düngung oder die Verwendung von Pestiziden- und Herbiziden wären für die Bauern in aller Regel auch nicht finanzierbar.

Soziales: Das Projekt fördert vorzugweise die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen, insbesondere die Verantwortlichkeit darüber, was er mit dem Einkommen aus seinem Kaffee macht. Das Projekt steht, was den Verkauf betrifft, erst im zweiten Jahr, weshalb es verfrüht ist, etwas über die sozialen Wirkungen zu sagen. Deshalb haben wir für diesen Bereich noch keine Bewertung vorgenommen.

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